Druckschrift 
15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
33
Einzelbild herunterladen
 

33

ein Anderer den Wein bekäme, den der Calabrese gewiß heimlichmitgcbracht hat."

Dein Geschäft kann nicht so dringend sein als das, einenWein von so besonderer Güte, wie du sagst, zu erlangen; oderwenn ja, so magst du erst deines Herrn Auftrag besorgen, und dannzum Hafen und Stefano ausgesucht. Damit wir um den Kauf nichtkommen, will ich selber eine Maske nehmen, und mit dir geh'», umden Calabresen zu sprechen. Du weißt, mein Vater hat in solchenAngelegenheiten viel Zutrauen zu mir."

Während Gino über diesen Vorschlag halb verdutzt und halberfreut da stand, wechselte die hurtige verschmitzte Annina einigeihrer Kleidungsstücke, nahm eine seidene Maske vor's Gesicht, ver-schloß sorgfältig die Thürc, und hieß dem Gondclier ihr folgen.

Der Kanal, mit welchem die Wohnung des Weiuhändlers inVerbindung stand, war eng, düster und wenig befahren. Eine Gondelder einfachsten Art lag dicht beim Hause angebunden; das Mädchensprang ohne weitere Umstände hinein. Don Camillo's Diener zau-derte nur einen Augenblick, denn er merkte, daß der Plan, welcherihm durch den Kopf fuhr, mit Hilfe einer andern Gondel zu ent-fliehen, unausführbar war, weil es an Geräth fehlte, und so nahmer seinen gewöhnlichen Platz im Hintertheil des Fahrzeugs ein, undfing an, mit mechanischer Geläufigkeit zu rudern.

Drittes Kapitel.

Welch' wackrer Führer steht »ms gegenüber?

König Heinrich vi.

Ännina's Gegenwart setzte Gino sehr in Verlegenheit. Erhatte seine geheime Wünsche und seinen besondern Ehrgeiz so gutals andere Menschen, und unter den elfteren vorzüglich den, die

Der Bravo. z