Druckschrift 
15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

5

Der Seemann warf einen halb komischen, halb ernsten Blickhinaus zum Bilde des Schutzpatrons und sagte dann:

Die Flügel deines Löwen hätten wir besser gebrauchen kön-nen , als die Gunst deines Heiligen. Ich versteige mich mit denBitten um Beistand nicht weiter nördlich, als zum heiligen Ja-nuarius, und wenn ein Orkan los heulte."

Desto schlimmer für dich, cnro, denn der gute Bischof ver-steht sich wohl darauf, die Lava zu hemmen, aber nicht die Windezu stillen. Aber war's denn rechte Gefahr, die Felucke und ihrebrave Mannschaft an die Türken zu verlieren?"

Ja wahrhaftig, es schwärmte ein Tuneser zwischen Strom-boli und Sicilien, aber Ali di San Michele! leichter hätte er dieWolke über dem Vulkan gehascht, als die Felucke im Sirocco!"

Du warst wohl ein Hase, Stefano?"

Ich! Eher war ich wie dein Löwe da, einige Ketten undMaulkörbe zugerechnet!"

Das war wohl ans der Eilfertigkeit der Felucke zu sehen?"

Oospelto! Ich habe mich tausendmal während der Jagd zumJohanniterritter gewünscht, und la bella Sorrentina zu einer tüch-tigen Malthesergalcere, und wär's nur um die christliche Ehre! DerUngläubige war mir beinah' drei Stunden lang so nahe, daß ichdir genau sagen konnte, welcher von den Schuften schmutziges Zeugin seinem Turban hatte, und welcher reines. Es war ein jämmer-licher Anblick, Stefano, für einen Christenmcnschen, den Heiden soaus sich lossegeln zu sehen."

Dir sind wohl die Sohlen heiß geworden beim Gedanken andie Bastonade, enro »rio!"

Ich bin zu oft baarfuß über unsere calabrischen Berge gerannt,als daß mir bei derlei Einbildungen die Sohlen jucken sollten."

Jedweder Mensch hat seinen empfindlichen Fleck. Der deinigeist Furcht vor Türkenhänden. Die Berge in deinem Vatcrlandehaben ihre weichen Stellen eben so gut als ihre harten, aber die

4k