Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 9 (1828) Briefe, das Studium der Theologie betreffend ; 1
Entstehung
Seite
459
Einzelbild herunterladen
 

das Studium der Theologie betr. 459

dürfniß der menschlichen Natur und als die höchsteWohlthat Gottes treiben. Wer beweisen will,daß er nicht beten könne, nicht beten dürfe;der bete nicht. Um eine Wohlthat zutraucns-voll, dcmükhig, kindlich zu bitten, dazu zwin-get man niemand. Die Noth allein muß einenHarken dieser Art zwingen: denn in der Augst, inBekümmernissen und Verwickelungen seines Schick-sals, betet auch der Stoiker und Epikurer. Christ-liches Gebet ist zutrauensvoll, kindlich. Manspricht zu Gott als einem gegenwärtigen, vertrau-ten Freunde, der unsere Noch weiß und sie mituns fühlet. Auch hier wirken Beispiele, inson-derheit frühe Beispiele und Erfahrungen ammeisten. Die Excmpel der alten Patriarchen , denendie Vorsehung so nahe war, die hohen Sprüche derApostel und Propheten, endlich am meisten die lieb-reichen, andringenden Verheißungen und das Bei-

Schöpfung, die sich jede Nation nach ihrer Denk-art gebildet hat. Daher ist vielleicht auch dieplatonische Dreyeinigkeit entstanden, weil mandiesen 3 abgezogenen Verhältnissen freilich die Flü-gel einer hohen Einbildung hat geben können.Wenn sich ein historisches und philosophisches Ge-nie daran wagte, diese 3 Erklärungsarlen zu ver-gleichen, so würde man vielleicht den Grund vie-ler Jrrthümer und der Wanderungen vieler Lehr-sätze erblicken ; allein freilich bleibt dies das Werkeines Gelehrten, der für die Literatur, derHistorie, der natürlichen und andern Theologieschriebe, und für Gelehrte schriebe."