das Studium der Theologie betr. 408
Und gerade ist dies doch das Schwerste, so für un-sere Natur da ist: ein Entwurf Gottes, zu dem,auch historisch genommen, unsere Erfindungskraftblind, unsere Bestimmungskraft todt ist; undewig blind und todt seyn würde, wenn der Vatersein Geschlecht nicht mit Licht und Gnade erfüllethätte. Jetzt, da es erfüllet ist, da Licht und Gnadezuvorkommend um und in unS leuchtet; jetzt wärees zu disputiren Zeit, wo menschliches und göttli-ches Vermögen sich in jedem Strich der Erkcnnt-uiß, in jedem nisn und sein der Entschließungunserer Seele trennen? ja wir sollten über diesenAbgrund der Abgründe nur etwas entscheiden dür-fen? Sie, mein Freund, werden hierüber nichtGrübler, nicht Richter; sondern folgen dem klarenWort der Offenbarung. Gott ist's, der inuns wirkt beide das Wollen und daSVollbringen: er wirkt durch Natur, erwirktdurch Wort und Gnade. Denn, ist auch dieNatur nicht sein? ist auch sic nicht; sind nichtalle Kräfte in ihr Gnade? oder ist seine GnadeUnnatur? oder wirkt sie nicht unserer Naturd. i. unserm Bedürfnis; aufs höchste gemäß, undist für uns, selbst den Ausdrücken der Schrift zu-folge, ein Geist, der in Jedermann nach seinerWeise zum gemeinen Nutzen wirket? — EntfernenSie sich, Freund, aus dem schwarzen Jrrhain alterscholastischer oder rhetorischer Unterscheidungen undSpitzfindigkeiten, der nur gepflanzt wurde, umzu verketzern oder zu disputiren; und bleiben Siein Sachen von so historischer, praktischerArt auch auf dem schlichten Geschicht- und Er-fahrungswege der Bibel.