daS Studium der Theologie betr. 307
zur Schau stellen. Ich habe einen Menschen ge-kannt , dem man immer anhören konnte, was erzuletzt gelesen hatte: einen andern, der, in Cre-billon verliebt, wirklich crebillonisch predig-te — Sie können leicht denken, wie? Als Klop-stock aufkam, predigte alles Junge, was erhabenseyn wollte, in Verstümmelten Hexametern; hättedasBardcnlustrum nur etwas länger gedau-ert , so hätte man auch bardisch gepredigt. Alsvor wenigen Jahren Alles die Kunst kennen woll-te, erschien auch die Kunst auf der Kauzes; jetzt,da die jungen Herrn biblische Ausdkückc in ihreRomanzen und Mondscheinverse bringen, wate esja undankbar, wenn die Kanzel mit der Zeit ihnennicht nachgienqe Und auch den Romanzen - undMondscheinton borgte. O Luther, weNn man daan Dich und an Deine reine, feste, allverstand-liche Sprache zurückdenket!
Erlauben Sie, daß ich einige Lehren der Dog-matik durchgehe, und da doch bei ihnen an der An-wendung alles liegt, etwa zeige, wie sic zu Vor-trägen dienen können? was bei diesen etwa zuvermeiden, bei jenen vorzüglich zu brauchen, zunutzen wäre? oder wo Sie sich etwa weiter Rathserholen können? u. f Ich meine: Raths erholen— nicht in Predigten: denn von diesen kenne ichwenige. Ich habe nie Zeit gehabt, Postillen zulesen, und manche glanzende Homileten sind fürmich unbekannte Länder. Vielleicht gelingt mir'sober, Ihnen hie und da etwas zeigen zu können,dabei Sie jene entbehren mögen oder wenigstens