Print 
Religion und Theologie Theil 9 (1828) Briefe, das Studium der Theologie betreffend ; 1
Place and Date of Creation
Page
266
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
 

266

Briefe,

Wenn ich bedenke, welche Bürden von Anmerkun-gen und Erläuterungen auf diese Schriften gewälztseyn, unter denen ihr Geist oft gar nicht fort, kann,und feine Wirkung vielmehr verlieret; so weiß ichnicht, ob ich das Christenthum bedauern oder be-jauchzen soll, daß cs in so gelehrte Hände ge-kommen? Sie wissen, wie es dem Aristoteles gieng,da man Jahrhunderte über ihn, als über lauterOrakel commentiret: sie wissen : wie dem A. T.von den Händen mancher Rabbinen, dem Koranvon den mancherlei Seelen der Muhamedancr begeg-net worden, sobald man sich einmal hinfetzte zucommentiren und, als ob alles Dunkelheit wäre,erst Licht h i n e i n z u s cha ffe n> Hiemit war dasklärste Licht dunkel und die heiterste Aussicht Nebel;sollte es mit den Schriften des N. T. , die aus-drücklich für die Einfältigen geschrieben sind, an-ders gegangen seyn? Nicht, als ob ich von derParthei derer scy, die alles Nachdenken, alle gute,insonderheit Zeit-, Ort-, Sp ra ch e n k en n t-nisse, ja gar allen gesunden Verstand hassen undauf Licht vom Himmel, auf innere Eingebung war-ten. Die Apostel haben mit ruhigem Geist, mitguter Ueberlegung, mit Zeit-, Ort-, Sprachkennt-nissen geschrieben, so müssen sie auch gelesen wer-den ,,wie alle andere vernünftige Schriften. Abernur, daß man nicht zu viel und zwar fremdeGelehrsamkeit hineinbringe, am wenigsten, daßman sie mit Spitzfündigkeiten, die sie selbst loseVerführung nennen, erwürge. Ihr Geist istRechtschaffenheit und Wahrheit, das Wesentliche inihnen wird nur durch Uebung erkannt und lebendig.Erlauben Sie also, daß ich, statt weiterer spezieller