Verzeihen Sie, mein Freund, daß ich IhreBitte nicht erfülle und über Klepstocks Messias,die heilige edle Epopee unserer Sprache, besondersrede. Ich redete bisher eigentlich nicht von ihm;sondern (Sie wissen, wie Sie selbst die Sache ver-anlaßt haben) eigentlich nur allgemein überepische Gedichte dieses Inhalts. Klop-stock kann Auskünfte getroffen haben, an die ichmich so deutlich nicht mehr erinnere: denn cs ist
Jahre her, seit ich seinen Messias mit Liebe undHochachtung gelesen habe. Mich jetzt in eine Un-tersuchung darüber einzulassen, ist auch deswegenmeine Sache nicht, theils weil ich seit Jahren al-les, was öffentlicher Kritik nur ähnlich stehet,scheue und lieber mit mir selbst wohne; theils weildiese Untersuchung zu unserer Absicht gar nicht ge-höret. Mein Zweck ist nämlich nicht, Sie zumKritikus der Dichtkunst zu bilden, sondern vielmehrSie davon wegzubilde», falls sich die sanftcinschmci-chelnde Dichtkunst mit der Glaubensgeschichte zunahe befreunden sollte. An mehreren Jünglingenunseres poestereichen, weichen Zeitalters habe ichdiese fremde Vermischung bemerkt und mag alsoselbst meiner Absicht nicht entgegenarbeiten. Zuihr müßte ich Klepstocks Messias, wie jener Ma-thematiker den Virgil durchgehen, alles Dichteri-sche beiseite setzen und nur Sache, Wahrheit,