Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 9 (1828) Briefe, das Studium der Theologie betreffend ; 1
Entstehung
Seite
245
Einzelbild herunterladen
 

das Studium der Theologie bctr. 24»

mir die Himmelsboten sagen. Soll ich, dem Wor-te dieser Engel gerade zuwider, Gesänge lang stehenbleiben, und den mein Blick nicht mehr erreicht,mit meiner Phantasie durch alle Himmel und allerHimmel Heer verfolgen, so unterliegt mein Geist,wie mein Ohr und Auge. Ich habe so viel gese-hen , daß ich nichts sah; ich habe so viel gehört,daß ich nichts vernommen. Ich komme herunterund greife zu einem 0 wie andern Buche, mei-nen treuen Evangelisten. Die sagen nicht mehr,als sie wissen: sie zeugen nicht weiter, als wir

begreifen; die Sache, die wir nicht begreifen sol-len, aber wissen müssen, nennen sie nur, undlassen den Borhang sinken. Kurz, mein Freund,der Men sehen so hn ist, wie mich dünkt, vielzu einfältig, schlecht und geringe, daß seine Kncchts-gestalt Epopce werden wollte; der Sohn Got-tes, der auferweckte König der Ehre aber ist vielzu erhaben über unfern Gesichtskreis, als daß ihndas Auge verfolgen, die Phantasie dichterisch schil-dern könnte. Beide Ende, Niedrigkeit und Ho-heit, Kreuz und Thron sind zwar im Geiste derEvangelisten, so wie im Herzen seiner NachfolgerEins; ich zweifle aber, ob ein Menschenwerk, ge-schweige ein episches Thema sie fassen, sie uns^ zu-gleich gegenwärtig machen und darstellend so ver-folgen könne, daß wir nie keines aus dem Gesichteverlieren; immer den großen Lauf Dessen im Au-ge habend

Der da kam vom Vater her,

Und grenz wieder zum Vater,

Fuhr hinunter zu der HLll,

Und wieder zu Gottes Stuhl.