das Studium der Theologie betr. 1^7
Herzens. Er will nichts mehr, als was ihm anseinem Thcil „vorn Raube des Lebens gleichsamdurch's Loos" zufallt, dies will er aber auch un-gestört genießen. Wo nicht beides ist, wo wir ent-weder nichts haben und andere beschweren müssen;oder zu viel haben, und diese uns beneiden, daentgehet uns der größeste Schatz, Ruhe des Lebens.Agur, als Israelit, drückt den Schaden und dieGefahr beider Extreme noch treffender aus: der Einewird zu satt, geräth in Wahn, macht sich ausGott nichts, verachtet den Namen Iehovah's, dennEr hat seinen Gott im Beutel; der andere, zuarm, muß lügen, stehlen, die Noch treibt ihn zuunedlen Mitteln des Unterhalts, er wird nieder-trächtig, vom Mangel gar gezwungen, falsch zuschwören. — Die tiefste Grube von Niedrigkeit,wohin die Armuth stürzen kann. Agur, der weiß,wie sehr menschliche Herzen sich unähnlich, wie sehrsie, von Umständen geändert, ihrer selbst unwürdigwerden können, verbittet die Versuchung zu beidenAbwegen, und wünscht den geraden, goldnen Wegder Mitte bis an sein ehrliches Grab hin.
Wie leid thut mir's , daß ich nicht fortfahrcnkann: das ganze Kapital ist eine vortreffliche Zu-gabe des Parabeln- und Räthelbuchs: gleichsam eineRede König Tirols an seine Söhne, wie das fol-gende letzte die Anrede einer morgenländischcn Wins-becke an Sohn und Töchter. Ich wiederhole es,mein Freund, vielleicht wissen wenige, was sie fürSchönes, vielseitig Praktisches und Menschliches anihrem Vibelbuche haben. — — Ich komme zumältesten und erhabensten Lehrgedicht aller Na-tionen, zum Buch Hiobs.