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Religion und Theologie Theil 9 (1828) Briefe, das Studium der Theologie betreffend ; 1
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das Studium der Theologie betr. 107

den Propheten oder den Ausleger machen müsse,oder gemacht habe. Lasset uns doch die heiligenMänner lassen, wie sie sind; nicht, wie wir sieuns schaffen möchten. Es ist immer für uns eineschwere Frage, was ein jeder Prophet sich auch beiseinen unläugbarsten Weissagungen vom Messiasgedacht habe? wie hell oder dunkel er in die Zu-kunft sah? Manche Propheten weissagten und konn-ten selbst nicht auslegen, was sie sahen; andereweissagen einzelne Züge, bei denen ihnen immernoch der Umriß des Ganzen gefehlt haben kann.Ein Prophet ist kein Evangelist; und ein Zug ineinem Propheten mehr oder minder, ändert janichts im Gemählde sämmtlicher Schriften undihrer Aussicht auf's Reich und die Person desMessias.

Am sorgsamsten suchen Sie, mein Lieber, dieeinzelnen Stücke eines Propheten abzutheilen, zusondern und zu ordnen: denn keiner setzte sich hin,ein Buch zu schreiben von Anfang bis zum Ende.Eine richtige Abtheilung hilft außerordentlich, undwo die Stücke zerstreut scheinen, eine muthmaß-liche Versetzung. Wo dunkle Stellen sind, ziehenSie alte Uebcrsetzungcn zu Rathc: einige der spä-

ter« Propheten, insonderheit Jeremias, haben diesvorzüglich nöthig. Werden Sie mit jedem dersel-ben gleichsam Zeitgcnoß, theilen mit ihm Leidenund Freuden, gegenwärtigen Druck und künftigfreiere Aussicht: 0 wie wird Ihnen dann einzelnund allmählich der edle Geist dieser Männer auf-gehen , denen die andern Völker beinahe nichtsAehnliches haben! Sie werden mit Jesajas als