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Religion und Theologie Theil 4 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 2
Entstehung
Seite
16
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machen können: Kann ich, darf ich, soll ich zumeinem Gott beten? Wie? ist aber eine würdigereArt von Geber, als eine solche möglich? kann ichwohl beten, ohne die erhabenen Begriffezu verlaugncn, die ich von dem vollkommenstenGott habe? darf ich zu ihm beten, ohne daß esdoch schiene, als wollte ich seine Allmacht mit mei-nem Gebet mir zu eigen machen? sein Mitleidenund seine Partheylichkeit gewinnen? darf ich beten,ohne daß es das Ansehen hätte, als wollte ich sei-ne Weisheit meistern, seiner allwaltenden Regie-rung Mittel und Wege vorschreiben, als wollteich, daß mein Gebet die Welt regiere? darf ichbeten, ohne doch seine Allwissenheit zurückzusetzenscheinen, mit der er ja alle meine Anliegen unddie verborgenste Situation meiner Roth kennet?'ohne seine Güte zu verkleinern, die mir ja selbstimmer das Beste geben wird?

Darf ich beten, ohne vielleicht zu viel zu fo-dcrn, daß Gott sich um die Angelegenheiten eineseinzelnen Wurms bekümmern soll? ohne unver-schämt zu fern, daß er die Stimme eines Elenden,wie ich bin, in dem ganzen Chor seiner Geschöpfe,in der Vielheit aller seiner Welten, unterschei-den, und zu Ohren nehmen soll?

Darf ich beten, ohne eine Unverscham t-heit zu begehen und mit dem Herrn Herrn zusprechen, wie wohl ich Staub und Asche bin?darf ich beten, ohne vielleicht meinem eignenGlücke zu schaden, und mit meinem Gebete mirselbst ein Unglück in den Arm zu bitten? darf