Briefe zu Beförderung
dem Ausdruck zu entschuldigen: „cs Hube ihn die
Menschlichkeit übereilet." Kein vernünftigerbilligt es, daß man den Charakter des Geschlechts,zu dem wir gehören, so barbarisch hinabgesetzt hat;man hat hiew.it unwciser gehandelt, als wenn manden Namen seiner Stadt oder Landsmannschaft zumEckelnamen machte. Wir also wollen uns hüten,daß wir zu Beförderung solcher Menschlichkeitkeine Briefe schreiben.
Der Name Menschenrechte kann ohneMenschenpflichten nicht genannt werden;beide beziehen sich auf einander, und für beide su-chen wir Ein Wort.
So auch Menschenwürde und Men-schenliebe. Das Menschengeschlecht, wie es jetztist und wahrscheinlich lange noch seyn wird, hatseinem größesten Hcheil nach keine Würde; mandarf es eher bemitleiden, als verehren. Es sollaber zum Charakter seines G.e sch l ec h ts,mithin auch zu dessen Werth und Würde gebil-det werden. Das schöne Wort Menschenliebeist so trivial worden, daß man meistens die Men-schen liebt, um keinen unter den Menschen wirksamzu lieben. Alle diese Worte enthalten Theilbegriffeunseres Zwecks, den wir gern mit Einem Aus-druck bezeichnen möchten.
Also wollen wir bei dem Wort Humanitätbleiben, an welches unter Alten und Neuern diebesten Schriftsteller so würdige Begriffe geknüpfthaben. Humanität ist der Charakter unsresGeschlechts; er ist uns aber nur in Anlagenangebohrcn, und muß uns eigentlich angebildet wer-