VI. Wissenschaftliche Ereignisse u. Charaktere
n. Theologie und Religion.
Viele Mühe gab Leibnitz sich, die Kirchen zuvereinigen, wie sein Briefwechsel mit Boßuek,Pelisson, Fabricius, Iablonskp u. f. zei-get. Der scharfsehcndc Mann sah mehr als einandrer, daß aus dem Werke setzt nichts werdenwürde; aber er bereitete vor, beantwortete, setzte dieStreitfragen ins Klare. Mehrere Fürsten und Ge-lehrte hatte damals ein Enthusiasmus für Vereini-gung der Kirchen ergriffen, in den Er gern ein-siimmte. Der Vorwurf, Leibnitz sey dem Katholi-cismus geneigt, ja im Herzen selbst katholisch gewe-sen, verliert in der Lage, in welcher und Key demZweck, zu welchem er schrieb , den größestcn Theilseiner Schärfe. Sollten die Kirchen vereiniget wer-den , (das sah Er, der alle Jahrhunderte der Kir-chengcschichte durchwandert hatte, und die Römischesowohl als die Französische und Deutsche Kirchekannte) so wollte der alte Katholicismus nicht zuseinen Ausgewanderten, den Protestanten, sonderndies« mußten zu ihm treten; auf dem Boden deralten großen Kirche mußte die Einigung verhandeltwerden. Der Gesichtspunkt, den die Reformatorengehabt oder sich vorgenommen hatten, fand jetzt, dazumit den feinsten , verschmitztesten Köpfen, nicht mehrstatt; schon die Zeit hatte den Horizont theologischerFragen ungemein erweitert. Zudem war Leibnitz nichtnur sanften Sinnes von Natur, sondern durch Er-fahrung wußte Er, daß wenn ein Reconciliator auch