V. Die Großen
Hatte Preußen Kunstzeiten gehabt, wie die Nieder-lande , wie Italien; wahrscheinlich halte sich dieKunst zu Landschaft-, Kriegs- und See-stücken gewandt; auf dem traurigsten Strandehatte sie aus dem Charakter seiner Einwohner Idyl-len gcmahlet.
5. Die Zeiten des frechen Uebccmuths, die derDeutsche Orden Jahrhunderte hin in Preußen durch-lebte , sind keines Pinsels werth; wohl aber sind»die Arbeiten des Fleißes, die cinwandcrnde Deutscheund Holländische Kolonien hier trieben, nicht minderdie Gorhischcn Prachtgebäude, die fremde Künstlervom Neichthum des Ordens aufführten. — Fast ohneBcyspiel ist die Leich tigke i t, mit der sich dieReformation inPreußen einführte. Kaumbatte der Hochmeister sein Ordensklcid angelegt, so.stimmte ihm die Nation im Ucbcrgange zum Luther-thum bey, als ob sie zu ihrem alten Glauben zu-rückkchrte; sie, die einst gegen das Christenthum sowild gefochten hatte. Unter dem Orden war siemürbe geworden; der evangelische Gottesdienst sangsich ihr ein. Denn kaum hangt vielleicht Eine Na-tion in Europa so sehr an Liedern als diese; stattihrer alten Daino's kamen jetzt geistliche Gesängeins Ohr des Volkes *). In Liedern PreußischerDichter, z. B. Simon Dachs, Albcrti's u. f.zeigt sich der alte Nntionalcharakter; furchtbarer Ernstund weiche Klage.
*) Die Lebensläufe in aufsteigender Linie, Berlin177g. geben sowohl hievon als von andern Sit-ten und Charakrerzügen der Preußen treue Ge-,mählde.