362 V. Die Großen
Deutschlands, vorzüglich in den jetzt PreußischenStaaten gewöhnet*), klänge halb als ein Mährchen,wenn man dabey an friedliche, ewige Wohnsitze odergar an eine Avrochthonen-gebährende Erde gedächte;die Lage dieser Länder selbst aber macht die Erzäb-lung zur Wahrheit. Mochten Völker vom schwarzenoder kaspischen Meer kommen; wenn sie sich nichtder Donau nachdrängten, fanden sie an der Ostseeentweder einen Ruheort oder ihren Wendezirkc!; sokann man sagen: „Völker aus diesen Gegenden ba-den die Südwelt bezwungen, und mit dem Römi-schen Reich Europa umgebildct." Gothen, Vanda-len, Langobarden, Rugier, Heruler — welche Auf,tritte veranlassen, welche Gcmahlde geben sie in derGeschichte!
4. Das einheimische Volk der Ostsee, das sei-nem Bcrnsteinlande treu blieb, gewann in diesemZudrangc der Nationen eine eigne Gestalt. Für sichselbst, nach dem einhelligen Zcugniß der Geschicht-schreiber, war es ein sanftes, mitleidiges Volk, dasden Nothlcidenden zu Hülfe kam, und niemand an-seindete; Nothgezwungen mußte es kriegerisch wer-den. Siehe da den unverkennbaren Charakter deralten Preußischen Völker. Von der Einen Seitekann cs kaum eine sanftere Vorstellungsart inSprache und Dichtung, als die Denkweise ihrer An-kömmlinge , der sogenannten Litthauer und Lettengeben; Idyllen sind ihre Lieder in eintönig-sanftenMclodieen; eine Baum - und Landpoesie war ihreReligion und häusliche Lebensweise. Voll schmcicheln-
°) Berlin 1.780.