lo I. Unternehmungen d. verging. Jahrhunderts
Ueberhanpt wirkt gegen ahnende Traume der altenZeit nichts so kräftig, als dos Erwachen. Wa-chend träumt man nicht weiter und flehet, daß dasVorige ein Traum war. Wer die fortgehende Er-leuchtung der Volker hemmt, stürzt sie wieder in diedunkle Zeit zurück, da man, wie im Finstern aufirdes Geräusch, auf jede weissagende Stimme horchte.
6. Schreckenden Weissagungen thue man
ganz Einhalt; im Schrecken glaubt man, was mansonst nicht glauben würde. Aber auch fröhlichenvertraue man nicht zu sehr: denn wer sich ohne
Grund, also auch vergeblich freuet, kann sich nichtnur eben so leicht ohne Grund betrüben, sondernwird dies sogar leichter: denn Furcht wirkt heftiger,unvorgesehencr als Hoffnung. Ein solches Gcmüthist trotzig und verzagt, jedem nichtigen Reiz offenund verführbar.
7. Eine Voraussicht der Zukunft aus be-stimmten Aeitu m stand en nach der Ana-logie der Dinge selbst vermische man mit je-nen Zahlhoffnungen nicht; wer sie hat, wird sie be-scheiden anfthen und weise gebrauchen. Nichts istkindischer, als der laute Selbstruhm: ,,habe ichdies nicht vorausgesagtt" nichts alberner, als auchin fast gewissen Erfolgen jeden ZeitumstandVorhersagen. Mache man die Probe, bei gleichgül-tigen Dingen des Lebens seine Voraussehungskraftins Spiel zu setzen: „wie Dies und Jenes erfolgen ?wie man Dies und Das finden werde?" Findenwird man, daß man gar oft weit ferne vom Zielgemuthmaßet habe. Bei wichtigem Erfolgen, werhatte dies nicht erfahren? und bei Weltbegebenheiten»