2i8 Ideen zur Philosophie
auch hievon ist der Grund sichbar; da jedes Ge-schöpf nur durch Geschöpfe seiner Gat-tung organisirt werden kann und darf. Die festeordnungsreiche Mutter hat also die Wege genau be-stimmt,, auf denen eine organische Kraft, sie seyherrschend oder dienend, zur sichtbaren Wirksam-keit gelangen sollte, und so kann ihren einmal be-stimmten Formen nichts entschlüpfen. Im Mcnschen-reiche z. B. herrscht die größcste Mannigfaltigkeit, vonNeigungen und Anlagen, die wir oft als wunder-bar und widernatürlich anstaunen, aber nicht begrei-fen. Da nun auch diese nicht ohne organische Grün-de seyn können: so ließe sich, wenn uns über diesDunkele der Schöpfungstälte einige Vermuthungvergönnt ist, das Menschengeschlecht als der großeZusammenfluß niederer organischerKräfte ansehen, die in ihm zur Bildung der Huma-nität kommen sollten.
Aber nun weiter? Der Mensch hat hier dasBild der Gottheit getragen und der feinsten Orga-nisation genossen, die ihm die Erde geben konnte;soll er rückwärts gehen und wieder Stamm, Pflanze,Elephant werden? oder stehet bey ihm aas Rad derSchöpfung still, und hat kein andres Rad, woreines greife ? Das letzte lasset sich nicht gedenken, da imReiche der obersten Güte und Weisheit alles verbun-den ist, und in ewigem Zusammenhänge Kraft in Kraftwirket. Schauen wir nun zurück und sehen, wie hin-ter uns alles aufs Menschengebilde zu reifen scheint,und sich im Menschen wiederum von dem, was erseyn soll, und worauf er absichtlich gebildet worden,nur die erste Knospe und Anlage findet: so müßte allerZusammenhang, alle Absicht der Natur ein Traum