64 Ideen zur Philosophie
sie zugleich die reichste Speise der lhierischcn Schö-pfung sind, und cs insonderheit in der Geschichteder Lebensarten des Menschengeschlechts so ,vie! dar-auf ankam, was jedes Volk in seinem Erdstrichfür Pflanzen und Thicre vor sich fand, die ihmzur Nahrung dienen konnten; wie mannigfaltig undneu verflicht sich damit die Geschichte der Natur-reiche. Die ruhigsten und, wenn man sagen darf,die menschlichsten Lhierc leben von Pflanzen; anNationen, die eben diese Speise wenigstens öfters ge-nießen, hat man eben diese gesunde Ruhe und heitreSorglosigkeit bemerkt. Alle Fleisch.fressenden Thieresind ihrer Natur nach wilder; der Mensch, der zwi-schen ihnen steht, muß, wenigstens dem Bau seinerZahne nach, kein Fleisch-fressendes Thier seyn. EinTheil der Erdnationen lebt großentheils noch vonMilch und Gewachsen; in früher» Zeiten habenmehrere davon gelebt: und welchen Reichthum hatihnen auch die Natur im Mark, im Saft, in denFrüchten, ja gar in den Rinden und Zweigen ihrerErdgewachse beschicden, wo oft Ein Baum eine ganzeFamilie nähret! Wunderbar ist jedem Erdstrich dasSeine gegeben, nicht nur in dem, was es gewährt,sondern auch in dem, was es an sich ziehet undwegnimmt. Denn da die Pflanzen von dem Brenn-baren der Lust, mithin zum Theil von denen füruns schädlichsten Dünsten leben: so organisirt sichauch ihr Gegengift nach der Eigenheit eines jedenLandes, und sie bereiten für den immer zur Fanl-niß gehenden animalischen Körper überall die Arz-neyen, die eben für die Krankheiten dieses Erdstrichssind. Der Mensch wird sich also so wenig zu be-schweren haben, daß es auch giftige Pflanzen in der
Natur