Lehrmeinungen und Gebrauchen. 413
Gottes, der frömmelnde Böscwicht im Tode einReichbcgnadigtcr wird, a» dem die Fülle des frem-den Verdienstes eben in ihrer ganzen Macht erscheine;getrauet ihr euch, diese gott- und sittenlose Vor-stellungsart Christenthum zu nennen? Zu ihr zugelangen mußte ja die ganze Schrift verdrehet undallenthalben es zum Capitalverbrcchcn gemacht wer-den , wenn jemand sie natürlich anzuschen und aus-zulegen wagte.
Sechstes Beispiel.
Christus ist ein Versöhner, d. i. ei» Vereinige,-,Zusammenbringer, Friede- und Harmoniestifter nichtnur zwischen Menschen und Gott, sondern auchzwischen Menschen mit ihnen selbst und ihrem in-nersten Bewußlseyn, zwischen Menschen und Men-schen, Völkern und Völkern. Kein schöneres undeigentlicheres Wort kann von ihm genannt werden,als Friedestifter, Versöhner: (xaraXXtto-crcav,aonciliawr.) Denn Religion ist Harmonie mitsich und Allem; sie vereinigt und versöhnt die Weltmit einander; sie wirkt Friede dem Universum.
Nun aber, wenn das edle Wort so mißverstan-den wird, daß ein blutgieriger Leu durchs Blut einesUnschuldigen befriedigt, daß durch ihn die göttlicheGerechtigkeit und Heiligkeit betrogen, die ewige Regeldes Rechts und der Wahrheit nicht etwa lieber garzerbrochen, sondern feingekrümmt habe werden müssen,damit diese ausstudirte Krümmung künftighin füralle Zeiten Regel der Religion werde.