Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 11 (1829) Christliche Schriften ; 1
Entstehung
Seite
330
Einzelbild herunterladen
 

33o Vom Erlöser der Menschen.

nichts weniger als dumme Fühllosigkeit oder Schlaff-heit der Seele; vielmehr ist sie die stillste und stärk-ste Energie, in einer höhern Ordnung. Es istdem ersten Begriff des Ehristenthums entgegen, daßes sich in einer lauen Gleichgültigkeit gegen dasGute und Böse, oder in einer erstorbenen Willen-losigkeit zeige, da sein Urheber eben den mächtig-sten Willen einer weisen und gütigen Allmachtnicht etwa nur zu seinem Vorbilde, sondern zurTriebfeder seines ga nzen Insti tu ts machte.Wo ein allgemeines ewiges Werk Gottes, an seinerStatt, als Auge, als Hand und Werkzeug derVorsehung in Betreff der ganzen leidenden Mensch-heit zu treiben ist, da gilt es gewiß keines Schlum-mcrns. Da ist zu thun, bis das Werk vollbrachtist, und mit Güte zu überwinden, so lange einUebel da ist. Wer die Hand an den Pflug legtund säumet, der ist nicht geschickt zu diesem Werke:alles Gute auf Erden muß durch göttliche Menschengethan werden; sie sind die wirkende Güteund Allmacht.

6 .

Was die Lehre Christi in so wenigen Wortenzu einer allhcrrsch enden Gesinnung, zu ei-ner endlosen Bestrebung macht, drückte derCharakter Jesu bis auf seine zwei Namen ebenso vollkommen als einfach aus: Sohn Gotteshieß er und Sohn des Menschen. DemGott-Geliebten war der Wille des Vaters diehöchste Regel, Triebfeder aller, auch der schwerstenHandlungen bis zur Aufopferung seines Lebens.