Vom Erlöser der Menschen. 3.25
schichte, deren Folgen wir genießen; über welche,als über eine verlebte Reihe von Thatsachen wiruns keine Prüfung anmaßen können noch dürfen.So wahr diese Wunder sind, so gewiß sind sie füruns nur erzählte Wunder. Vollends sie in un-fern philosophischen Lehr begriff einzupassen, sieaus unfern Meinungen zu erklären, ihnen sogarphysische Hypothesen zum Grunde zu legen,ist eine ganz unnöthige Mühe, zumal wir mit dendamaligen Zeiten sogar im Begriff eines Wundersnicht einmal einig sind. Für uns geschahen dieseWunder nicht, sondern für die Zeitgenossen Christiund für ihn selbst; da haben sie ihren Zweck er-reichet.
Warum wollen wir uns also bei sogenanntenBeweisen für die Wahrheit der christli-chen Religion mit Beweisen belasten, die wirnicht beweisen können und die für uns nicht be-weisen ? Warum müßten wir uns bei Beweisenfür uns durch eine Fiction in die Fassungskraftanderer, in die Vorstellungsart Derer versetzen,unter denen Christus, eben mit Ausrottung solcherVorurtheile, das höhere Reich einer reineren Cul-tur gründen wollte? Ist allen Völkern der Erdeseine Genealogie zu wissen nöthig? ist ihnen, istuns der Beweis davon zu geben möglich? Giltuns kein Erretter der Menschen, ohne jene zweiund vierzig Ahnen, die Matthäus anführet, auchwenn Gott-Vater selbst ihn vom Himmel für sei-nen Sohn erklärte? Jsts für uns nothwendig,daß alle Propheten auf ihn gewiesen, und ihn so-gar in zufälligen Kleinigkeiten beschrieben, damit