Vom Erlöser der Menschen. 3r5
man bei diesen Anführungen nicht mit den Evan-gelisten, sondern mit dem Geist ihrer Zeit undNation zanken. Lese man die Schriften der ge-lehrtesten Rabbinen, die ein Jahrtausend späterüber die Kennzeichen des Messias schreiben; sie sindimmer noch auf demselben Wege, und müssen dar-auf bleiben, so lange sich die Grundsätze ihrer Aus-legungskunst der Propheten, ja ihre ganze Ansichtdieser alten cbräischen Schriften nicht ändert. DieseAnsicht ist aus Zeiten, da man, auf diese Büchereingeschränkt und eingeengt, aus jedem Pünktchenvom Gesetz einen Berg zu machen wußte, der Him-mel und Erden trüge. Mit Homer, Aristote-les ist cs in ähnlichen Zeiten nicht anders gewesen;sobald man aber mehrere Schriften andrer Natio-nen kennen, und an ihnen allgemein eine bessereAuslegungskunst üben lernte, sah man auch jenemit freieren Augen an. Also wollen wenigstenswir diesem deutenden Rabbinengeist wider den kla-ren Anblick des Zusammenhanges einer Stelle anihrem Ort nicht stöhnen, noch weniger uns diesesgelehrte Spielwerk zurückwünschen. Worauf Jesus,worauf die Apostel ihr Geschäft bezogen, warSumme, ganze Aussicht, Resultat derPropheten. Wenn Paulus anders spricht, redet erals ein in der Rabbinenkunst Erzogener zu Juden,nach jüdischer Art; so führen auch die EvangelistenStellen an, nach angenommener Volksweise. UnserJesus, obwohl auch unter Juden geboren und er-zogen, übersah das Ganze, faßte zusammen Gesetzund Propheten, forschend, was von Allem End'und Absicht, was der Weg Gottes in Allem sey.Weder auf Bethlehem, noch auf seine Königsah-