314 Vom Erlöser der Menschen.
meinen, durch sich selbst ewigen, immerim Fortgange stehenden Menschen gl ück-seligkeit, mithin ein Reich der Wahrheit,Billigkeit und Liebe seyn müsse, das, hoffeich, wird kein vernünftiger Jude laugncn.
Und sie bekehren sich doch nicht zum Christus eurerEvangelien?
Laß sie, weil sie es einmal sind, Juden blei-ben und auf den, der kommen soll, warten. DaßJuden zu unsrer Christenheit nicht übergehen, istihnen schwerlich zu verdenken: denn wie stehet's mitunserm Christenstaate? Wenn sie in den Grund-sätzen Christi handeln, wollen wir immer sagen:Wer nicht wider uns ist, ist mitu n s. Un-ter allen Nationen und Religionen ist Vernunft,Billigkeit, Religion, Wahrheit, Güte, Liebe nurEine.
Du hast nichts von den Weissagungen ange-führt, die äussere Umstände deines Christus betreffen.Z. B. daß er zu Bethlehem geboren, ein Nach-kömmling Davids seyn, in Jerusalem auf einemEsel einreilen sollte, u. f.
Wie viele waren zu Bethlehem geboren, achteNachkömmlinge Davids, ritten auf Eseln nach Je-rusalem und waren doch keine Messias. Daß dieEvangelien dergleichen Umstände anführcn mußten,zeigt den Geist ihrer Zeit. Man hatte die Kenn-zeichen des Messias so genau aufgezählc, und hieltsich an die Acußerlichcn so vorzüglich, daß mandarüber die Innern, die gestimmte Absicht der Pro-phezeihungen vergaß und verkannte. Also muß