L64 Von der Auferstehung^
per aber hat vorzüglich der Tag des Gericht-,den man der Gerechtigkeit des Weltrichters zutraueteund von ihr zu fodern oft genöthiget war, festge-stellet und mit sich geführet. Unschuldig vergossenes,ungerächetes Blut, sollte cs vergebens von der Erdeum Rache schreien? Ein Tyrann, wie Antiochiussollte bis an das Ende seines Lebens ungestraft wü-thcn, in Macht und Würde sterben, und keineStrafe eines höheren Richters sollte ihn dort erwar-ten ? Hier erhob sich die Stimme des Buchs derWeisheit: hier sprach der Glaube der Gequältennoch in ihrer Todesstunde mit Aussichten über dasGrab und rief den Richter. So haben alle Völkergefühlt: sie haben Strafe und Belohnung nach
diesem Leben geglaubt, wenn sie die gute Sachebis zur Unterdrückung leiden, und edle Menschenungehört unterdrückt sahen. Nicht nur in diesemLeben glaubten sie eine verborgne, gerechte Nemesis,die den trotzigen Unterdrücker beuge, den frechenTyrannen stürze, die Laster der Vorfahren noch amspaten Geschlecht strafe; in der Unterwelt selbstdachten sie sich unerbittlich-strenge gerechte Richter.Der Richter in uns, die Stimme der Pflicht, dieüber Recht und Unrecht entscheidet, lehrte sie diesenGlauben, und kein Rechtschaffener wich davon auchim Angesicht des lockenden Gewinnes, der äußerstenLebensgefahr und des gewissesten Unterganges hie-niedcn. Wie nun? was wir in den Grundsätzenund Thaten der Rechtschaffenen und Weisen allerVölker hochschätzen und mit dem innigsten Beifallehren, wollten wir das verspotten, weil cs unshier in jüdischen Bildern erscheinet? Laß die Bil-