76 Von der Gabe der Sprachen
Als ein Unschuldiger war er, eben vor Ostern, ge-lobtet; er ward also als das Osterlamm betrachtet,auf welches die Befreiung vom Sklavendicnst folgte.Die alten Pflicht - und Schuldverschreibungen wa-ren an sein Kreuz geheftet und vertilget; unsreSünden waren mit ihm gestorben, mit ihm be-graben. Auferweckt, lebte er in einer Regionder Freiheit, so sollten auch wir leben, und in die-sem neuen Reich Gottes das Gute nicht aus Furcht,sondern als Neuerweckte, als Mitcrstandene ausinnerer Neigung und Liebe bewirken. *)
Zu beklagen ists, daß diese Bilder und Vor-stcllungsartcn, ihrem Zeitumsprunge entnommen,als Lehren zum Theil in so andrer Gestalt erschie-nen sind, in der sie sogar manches Böse angerichtethaben. Der Zusammenhang, in welchem sie sichdie Apostel dachten, war von der Zeit, einer sehrkurzen und gewiß prägnanten Zeit gegeben; er warnatürlich und hcrzcrhebend.
Eben so scheint e§ Natur der Sache gewesenzu seyn, daß die Apostel erst nach Trennungvon ihrem Freunde und Lehrer zum wahrenAufschluß seines Zweckes und Werks, mithin auchihres Berufs und ihrer Bestimmung gelangten.So lange er bei ihnen war, war ihnen das vonKind auf gelernte Vorurtheil weltlicher Hoffnungenund Entwürfe nicht auszureden: denn, wenn wir
*) Coloss. RLm. 6. Ephes. u. f.