An Prediger.
36 §
Was ist Philosophie in Predigt? waseine Predigt als Philosophie, als voll-ständige Lehre der Weisheit und Tugend?
Die Demosthene und Eiceronen würden sich,wie ich glaube, über unsere Predigten, als Rcde-gattung viel, sehr viel sagen, was an einenandern Ort gehört: wenigstens ist die Vergleichungmit ihnen fast von allen Seiten hinkend. Auf Vor-bilder in der Bibel kann man auch nicht rechnen.R e d e g a t t u n g also , Form, Einrichtung,als solche, ist ohne Vorbild. Auch, dürfte ich sa-gen , noch ohne Vorbild der ersten Kirche. Mansehe die Homilien der Vater, und die auch unteruns so bekannten Predigten des Ehrysostomus undMakarius an — man wird noch kaum Typus un-serer Predigt sehen. Und ich weiß nicht, ob ich,gegen Ehrysostomus z. E. betrachtet, an Einfalt,Würde, Leben, Rundung, und eigentlicher, meistKasualanwendung Fortgang oder Rückgang sehe.Die ganze christliche Gemeine war damals noch ge-genwärtiger, naher dem Sinn und Herzen, abge-sondert und eingeschränkter: also auch die Reden
an sie umfassender, treffender, und, darf ich hin-zusetzen, christlicher, als sie jetzt sind.
Es mußte erst durch eine Reihe Mönchsjahr-hundertc hindurchgehen, ehe so ein Ding werdenkonnte, was man jetzt christliche Predigt nennt,und was sich zuerst in jedem Lande sonderbar na-rionalisirte. Die französischen Hofprediger undOirsctcmrs cla aonscüsNLö, die Bossuets, Mas-sillons und Bourdalone : die englischen Prälaten
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