Briefe,
Er sprach: „Ich denk der guten Tag'!
Da war an Gelehrten wenig Klag'.
Sollt' ich die tapfcrn Leut' all nennen,
Ich glaub', ich würde viel nit kennen.
Die seyn nun todt und leben noch —Nu leben viel und faulen doch.
Ich dank ihn'n ihrer guten Lehr';
Doch wie ich kommen bin hieher,
Hab' ich viel anders müssen lernen,
Die Hülsen brechen und den KernenMit bitterm Schweiß hcrfücgewinnen —
Das werbt Ihr auch noch einmal innen! —"
Ich sprach: Ihr gabt aufs Geistlich' Acht,Und der Philosophie nichts acht,
Daher möcht es wohl kommen seyn,
Daß Euch die Welt nit wollt ein."
Er lacht' und sah mich höhnisch an:
„Was meint Ihr denn, daß ich gethan?
Ich war Grammartig*) und was feinUnd pochet überzwerch hinein.
Ich redtthörlich an manchem OrtUnd macht mich mausig immer fort.
Im Kopf hatt' ich manches GesperrUnd sonst visirlich' Sachen mehr,
Ich log dick, daß die Balken stobenUnd ecket aus, was krumm gebogen.
Meint Ihr, daß man zu unfern ZeilenHab' Meister gemacht aus Eselshäuten?
Oder
*) In diesen Worten sind Anspielungen auf die siebenfreie Künste der damaligen Zeit: Grammatik,Poetik» Rhetorik, Mustk, Logik u. f.