der Geschichte der Menschheit. 119
Christen- und Gothengeist jetzt nur als der Schattenaus einem Grabe erscheinen konnte? Altchristen er-oberten jetzt von heidnischen Saraccnen ihr so langeentheiligtes Land; jede Kirche, die sie aufs neuew.iben durften, ward ihnen eine theure Siegesbcute.Bsschosthümcr und Klöster wurden also ohne Zahlerneuet, gestiftet, als ein Kranz der Christen- undRitterehre angclobet; und weil die Eroberung lang-sam fortging, so hatte man Zeit zu weihen und an-zugelobcn. Dazu traf die Wiedcreroberung großten-theils in die blühendsten Zeiten des Ritter - undPapstrhumes. Einige Reiche, die man den Maurenentrissen hatte, ließ sich der König vom Papst zumLehn austragen, damit er in ihnen als ein achterSohn der alten Kirche herrschte. Allenthalben wur-den die Bischöfe seine Witregcntcn und die christli-chen Ritter, die das Reich mit ihm erobert hatten,Oranäos rioos ttmnbrss, ein hoher Adel, dermit seinem Könige das neue Christenreich theilte.Wie unter jenen alten Rechtgläubigen Juden undArianer ausgetrieben waren: so galts jetzo Judenund Mauren, so daß das schöne unter mehrerenVölkern einst blühende Land nach und nach eine an-muthige Wüste wurde. Noch jetzt stehen überall dieSäulen dieser alt- und neugothischen Christenstaats-Verfassung in Spanien da; die Zeit hat mancheszwischen sie gesetzt, ohne den Riß und Grund desGebäudes ändern zu können. Zwar thront der ka-tholische König nicht mehr neben dem Bischofsthronem Toledo, und die heilige Inquisition ist seit ihrerEntstehung mehr ein Werkzeug des Despotismus,als der blinden Andacht gewesen; dagegen aber sindin diesem abgeschlossenen romantischen Lande der