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und sie fuhr dann ruhiger fort, immer noch freimüthig zu ihrerSchwester sprechend, in deren Verstand und Verschwiegenheit inAllem, was sie betraf, sie nicht das mindeste Mißtrauen setzte.Ihre Stimme mar aber jetzt leise und hohl, während sie zuvorklar und lebhaft gewesen war.
„Es ist eine harte Sache, die Wahrheit fürchten zu müssen,Hetty," sagte sie; „und doch fürchte ich Wildtödters Wahrhaftigkeitmehr als irgend einen Feind. Mau kann nicht markten mit sol-cher Wahrhaftigkeit — solcher Redlichkeit — solcher hartnäckigenGeradheit! Aber sind wir nicht gänzlich ungleich, Schwester —Wildtödter und ich? Ist er nicht in Allem mir überlegen?"
Es war etwas Ungewöhnliches bei Judith, sich so weit her-unterzngcben, daß sie an Hetty's Einsicht und Urtheil sich fragendwandte. Auch redete sie sie nicht oft mit dem Namen Schwesterau, — eine Auszeichnung, die gewöhnlich die Jüngere der Aelterenerweist, selbst da wo in allen andern Beziehungen Gleichheit derPersonen stattfindet. Wie geringfügige Abweichungen vom ge-wohnten Ton oft stärker auffallen, als wichtigere Veränderungen,bemerkte auch Hetty diese Umstände, und wunderte sich darüberin ihrer einfachen Weise.
Ihr Ehrgeiz war ein wenig aufgcstachelt; und ihre Antwortwar ebensowenig dem gewöhnlichen Lauf der Dinge entsprechend,als die Frage; denn das arme Mädchen suchte sich über ihr Ver-mögen fein und klug vernehmen zu lassen.
„Ueberlegen, Judith? —wiederholte sie mit Stolz. „In waskann Wildtödter dir überlegen sein? Bist du nicht der Mutter-Kind — und kann er lesen — und that es nicht Mutter darinallen Frauen in dieser Gegend der Welt zuvor? Ich sollte meinen,weit entfernt, daß er dir überlegen wäre, dürfte er sich kaummir überlegen glauben. Du bist hübsch und er ist häßlich —"
„Nein, nicht häßlich, Hetty," unterbrach sie Judith. „Nurunansehnlich. Aber sein ehrliches Gesicht hat einen Ausdruck, der