315
wehte ein kleiner Luftzug — Wind konnte man es eigentlich nichtnennen. Doch hatte er, da er schwül und feucht mar, eine gewisseKraft. Die Gesellschaft im Kastell war so trüb und schweigsamwie die Scene. Die beiden ansgelösten Gefangenen fühlten sichgcdcmüthigt und entehrt, aber ihre Beschämung hatte Etwas vonder Erbitterung und Tücke der Rachsucht. Sie waren weit mehrgeneigt, der Unwürdigkeit zu gedenken, mit der sie während derletzten paar Stunden ihrer Gefangenschaft behandelt worden waren,als Dankbarkeit zu fühlen für die vorhergegangene Milde. Unddann stachelte sie der scharfäugige Mahner, das Gewissen, indemes ihnen Alles, was sie erduldet, als verhängt von einer vergelten-den Gerechtigkeit darstellte, dennoch vielmehr ihren Grimm ihreFeinde entgelten zu lassen, als sich selbst anznklagen. Die klebrigenwaren nachdenklich, halb aus Leid, halb ans Freude. Wildtödterund Judith hatten mehr die erstgenannte Empfindung, währendHetty für den Augenblick vollkommen glücklich war. Dem Dela-ware» gewährte ebenfalls die Aussicht, sobald seine Verlobte wiederzn gewinnen, lachende Bilder des Glückes. Unter solchen Um-ständen, und in solcher Stimmung, nahmen Alle das Abendbrod ein.
„Alter Tom!" rief Hurry in ein krampfhaftes, lärmendesGelächter ausbrechend, „Ihr saht znm Erstaunen einem gebun-denen Bären gleich, wie Ihr ans den Tannenzweigen ausgestrecktda läget, und ich wundere mich nur, daß Ihr nicht ärger brumm-tet. Nun, es ist vorüber, und Seufzen und Wehklagen besserndie Sache nicht mehr! Da ist der Spitzbube Rivcuoak, der unshierherbrachte, der hat einen außerordentlichen Skalp, für den ichselbst so viel gebe wie die Kolonie. Ja, es ist mir jetzt, als wäreich so reich wie der Gouverneur, was diese Sachen betrifft, undich will Doublonc gegen Doublone setzen. Judith, Schätzchen,habt Ihr recht um mich getrauert, als ich in den Händen dieserPhilipsteiner war?"
Dieser Name bezeichnte eine Familie von deutscher Abkunft