zum neuen Testament. 46
de, wenn es aus vielen Einzelnen besteht und nichtein Ganzes bildet, ist ein schlechtes Kunstwerk; soschätzen wir Werke der Menschen, und gewiß nachkeiner geringem Regel der Vollkommenheit kanndas Meisterwerk Gottes, das Menschengeschlecht,geschätzt werden. In seinem Ganzen muß Zweck,Entwurf, Bestimmung liegen, oder kein einzelnerTheil hat etwas derselben. Was folgt, ist dieses:
r. Die Entwickelung eines solchen Entwurfsist durchaus nicht eigenmächtige Philosophie aus ei-nem einzelnen Hirne, sondern Geschichte Aller.Was sich über die Zeitfolge erstreckt, kann auch nurin der Zeitfolge entwickelt, kann auch nur aus derZcitfolge erkannt werden. Die Bestimmung jedesEinzelnen ist ein solcher Bruch vom Ganzen, alsdies Einzelne zum Ganzen ist. Der StammvaterAdam, gewiß der anschauendste Geist, der seineTheilbestimmung im Namen aller fühlte, mußtenoch wenig wissen, wozu Allem das Heer seinerKinder da seyn sollte? Welch ein Aufschluß ist ihmgeworden, welch ein Ausschluß wird ihm werden!
2. Wenn sich die Folgezeiten entwickeln, jemehr einzelne Fälle und Erfahrungen Resultate ge-ben ; desto mehr, sagt man, wächst die Vernunft.Die allgemeine und stärkste Vernunft kann nur
das Resultat aller Erfahrung des Menschenge-schlechts seyn, und ich zweifle, ob sie cs bisherje fern können? Noch sind die Ende aller mensch-lichen Erfahrung gewiß nicht zusammcngegangcnund verknüpft worden. D>e Zeiten haben sich, wieKolossen, über einander gestürzt und einander be-