I. Lieder der Liebe.
nicht abbrcchcn konnte; welch andre noch entzückte»re Schilderung macht er jetzt, nicht von ihrerSchönheit, sondern von ihrem Reiz , von ihremReiz in Liebe und Freundschaft. Ihre Kleiderduften, ihre Lippen triefen Honig, Milch und Ho-nig unter ihrer Zunge, der ganze Libanon in ih-rem Gewände. Quell, Garte, ein Paradies vonBaumen, Würzen, Erquickungen, Labungen,Früchten — nichts thut ihm Gnüge, die Entzück-ung zu beschreiben, die ihm ihre Liebe gewahrt.Er schwimmet und schwebt gleichsam auf allen denDüsten und Blumen, Quellen und Kühlungen,die er nennet, und hat sich selbst noch nichts ge-sagt. Er befiehlt dem Nord und Süd aufzustehenund seinen Garten zu durchregen, daß die Würzenfliesten, daß er noch begeisterter spreche. Welch einpindarischcr Schwung auf den Flügeln der Natur,der Regung und Liebe! nur muß man freilich inMorgenlande die Bilder sehen. Was ist ihnen dorteine lebendige Quelle, ein frischer Strom! wietheuec ein reiner versiegelter x) Quell, und ein
x) Den verschlossenen Garten Salomvns hat Has-s elquist, (S. 167.) den versiegelten BrunnenSalomos Pocock, (LH. 2. S.63.) und die ver-siegelte Wasserquelle d'Arvieux (LH. 2. S.igi.) gesucht, und wie es recht war, auch wirk-lich gefunden. ES wäre gut, wenn noch eineGesandtschaft ausgeschickt würde, die beidenRehchen und den runden Becher und den Weizen-Hausen Salcmons zu suchen ; sie würden es gleich-falls finden.
Herders Werke z. Rel. u. Lhsol, VII. E