Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 7 (1820) Postscenien zur Geschichte der Menschheit
Entstehung
Seite
235
Einzelbild herunterladen
 

der eigenen Zukunft. 235

wenn Trauer, sanfte Schwemiuth, oder das Anden-ken an Verstorbene, inniqgcliebte Tobten mich erfüll-te, mir beinahe der Mondesstrahl ihre Sprache zuseyn schien, und cs mich dünkte, es fehle nicht viel,ihren glanzenden Schatten vor mir zu sehen, oderden Kuß ihrer reinen Lippe auf meine Seele in ei-nem Strahl hinabfließend zu fühlen. Aber genugdavon, wir werden ja hier beide beinahe Schwärmer.Erzählen Sie weiter.

Th. Ich mag nicht; denn auch mir fehlen dieblauen smaragdenen Goldschwingen, Sie von Sternzu Stern zu tragen, Ihnen zu zeigen, wie auch un-sere Sonne um eine größere Sonne eilet, wie in derSchöpfung alles in einer Harmonie jauchzet, zu wel-cher Sonnen und Erden wie ein Klang gemessen, ge-zahlt, gewogen sind, und es also gewiß auch dasSchicksal, das Leben ihrer Bewohner in weit höhe-rem Grade seyn muß. O wie groß ist das Haus,jn dem mich mein Schöpfer erschuf, und o wie schönist's! schön zu Nacht und zu Tage; dort und hierSonne-, Mond-, Stcrnenausstcht! Mein Gang istdie Bahn des Weltalls: dazu leuchtet mir auch jenerletzte Stern, dazu klingt mir, in geistigen Begriffenund Verhältnissen, die Harmonie aller Sterne.Aber ach, mein Freund, alles ist nur Dämmerung,Wahn und Vermuthung gegen das ungleich reinereund höhere Licht der Religion unseres Geistes undHerzens. Auf dieser Erde ist alles mit Bedürfnißumringt, und wir sehnen uns mit aller Kreatur, da-von frei zu werden. Wir haben Begriffe der Freund-schaft, der.Liebe, der Wahrheit, der Schönheit in uns,die wir hier auf der Erde in lauter Schatten undTraumgestalten, so unvollkommen, so oft gestört, ge-