2rö
VI. Ahnungen
Ueber die Seelenwaaderung.
Zweites Gespräch.
Eharikles. Ich hoffe, mein Freund, Sieheut billiger über untern Gegenstand sprechen zu hö-ren ; gestern waren Sie ziemlich warm.
Theages. Nachdem Sie das Wort Wärmeund Billigkeit nehmen. Jst's Gleichmuth zu prü-fen, so hatte ich sie, dünkt mich, aucv gestern;soll's aber jene schlaffe Kalte scyn, der alles gleich-gültig ist —
E h. Nicht eben gleichgültig. Wer könntegleichgültig darüber scyn, wenn das arme geplagteMenschengeschlecht, wenigstens durch einen schönenTraum der Hoffnung, Ersatz für seine gegenwärti-gen, drückenden Uebel fände? wenn es einige Auf-schlüsse über Gott, die Welt, den Lauf des Schick-sals bekäme? Wo Seneca's Gründe aufhören, selbstwo die Religion nicht auflöset, sondern neue Knotenschlagt, da —
T h. Eharikles , lassen Sie uns die Religion,dazu auf eine so zurücksetzende Art, hier nicht in'S