Das Kratzen des Nagels an der Bibliothek entzogValentine ihrer Betäubung, die einer völligen Starrheitähnlich war.
Sie hob den Kopf mit großer Anstrengung in dieHöhe. Die stille Thüre drehte sich abermals auf ihrenAngeln, und der Graf von Monte Christo erschien wieder.
„Vinn!" fragte er, „zweifeln Sie immer nochdaran?"
„Oh mein Gott!" murmelte das Mädchen.
„Sic haben gesehen?"
„Ach!"
„Sie haben erkannt?
Valentine stieß einen Seufzer aus und crwicdertc:
„Ja, doch ich kann nicht daran glauben."
„Sie wollen also lieber sterben und Marimiliansterben lassen?"
„Mein Gott! mein Gott!" rief das Mädchen bei-nahe von Sinnen: „kann ich denn nicht das Hans ver-lassen, fliehen?"
„Valentine, die Hand, welche Sic verfolgt, wird Sie .überall treffen: mit Gold verführt man Ihre Diener, undder Tod bietet sich Ihnen unter allen Gestalten verkleidet,im Wasser, das Sie a» der Quelle trinken, ln der Frucht,die Sie vom Baume pflücken."
„Aber sagten Sie denn nicht, die Vorsicht des gute»Papa habe mich gegen das Gift beschützt?"
„Gegen ein Gift, das nicht einmal in starker Doseangewendet wurde; man wird das Gift verändern oderdie Dose vermehren."
Er nahm das Glas und benetzte seine Lippen.
„Ah! scheu Sie," sagte er, „es ist bereits geschehen.Man vergiftet Sie nicht mehr mit Brucin, sondern miteinem einfachen narkotischen Mittel. Ich erkenne denGeschmack des Alkohols, in welchem man eS hat auflösenlassen. Hätten Sie getrunken, was Ihnen Frau vonVillefort in dieses Glas gegossen, Valentine, Valentine,Sie wären bereits verloren."