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Fünfzehntes Kapitel.
— — „In der Wahrheit Namen! seidIhr Hirngespinste. oder wahrhaft, wasDein äußerlichen Blick ihr scheint?"
Macbeth. Act l. Sc. 3.
Dee Aberglaube ist eine Eigenschaft, die auf dem Meere hei-misch zu sein scheint. Wenig gemeine Matrosen sind von demgrößer» oder geringem Einfluß desselben frei; nur die Formen,in denen er sich äußert, sind verschieden, je nach den verschiedenenEigenthümlichkeiten und Ansichten der Nationen, welchen die See-leute angehören. Der Matrose des baltischen Meeres hat seinegeheimen Ceremonien und eigene Weise, um die Götter des Win-des zu versöhnen; der Schifffahrer des Mittelmeeres zerzaust sichdas Haar und wirft sich vor das Bild irgend eines ohnmächtigenHeiligen nieder, nicht ahnend, daß seine eigene Hand den Dienstthun könnte, um den er fleht; während der erfahrene Dritte dieGeister der Tobten im Sturme zu sehen, und in den Windstößen,welche über die See, die er befährt, dahersansen, das Kreischeneines ertrunkenen Schiffsgefährten zu hören glaubt. Selbst dermehr unterrichtete, und noch mehr klügelnde Amerikaner hat dengeheimen Einfluß einer Sinnesweise nicht von sich abschütteln kön-nen, die mit seinem Stande untrennbar verwebt zu sein scheint.
Es liegt eine Majestät in der Macht der gewaltigen See,durch welche die Zugänge zu jener Leichtgläubigkeit stets offen ge-halten werden, welche mehr oder weniger den Geist eines Jedenbewältigt, wie sehr er auch durch den Gedanken gekräftigt undaufgeklärt sein mag. Das Himmelsgewölbe über sich, eine unab-sehbare Wasserwüste um seinen Pfad her, ist der weniger begabteSeemann bei jedem Schritt seiner Pilgerschaft der Versuchungansgesetzt, Beruhigung in irgend einem glückverkündenden Vor-zeichen zu suchen, und da einige dieser Vorzeichen wegen ihrer
Der rvthe Seeräuber. 17