223
Bis jetzt schien Gertraud eher eine unwillkürliche Zuhörerinals eine Theilnehmerin des Gespräches gewesen zu sein, doch jetztwandte sie sich rasch lind nicht ganz ohne Ungeduld gegen Wilder,und fragte mit glühender Wange und einem Lächeln, welches wohleinen eigensinnigeren Mann zum Geständniß hätte bewegen können:„Dürfen Sie denn nicht ausführlicher sprechen?"
Der junge Befehlshaber zauderte, vielleicht ebensosehr, umden Blick auf den treuherzigen Zügen der Sprecherin weilen zulassen, als um sich zu einer Antwort zu entschließen. Seine ge-brannte Wange wurde röthcr und röther, und sein Auge verricthinneres Wohlbehagen: endlich, als ob er sich plötzlich besänne, daßer eine zu lange Panse gemacht habe, sagte er:
„Ich bin gewiß, daß ich nichts wage, indem ich mich aufIhre Verschwiegenheit verlasse."
„Zweifeln Sie nicht daran," erwiederte Frau Wyllys, „Siesollen nicht verrathcn werden, cs mag kommen, was da will."
„Verrathcn? Für meine Person, Madame, befürchte ich wenig.Wenn Sie glauben, daß persönliche Rücksicht mich bestimmt, sothun Sie mir sehr großes Unrecht."
„Wir trauen Ihnen Nichts zu, was Ihrer unwürdig wäre,"sagte Gertraud hastig, „allein wir stehen unsertwegen in großerBesorgniß."
„So will ich Sie denn davon befreien, wenn auch auf Kostenmei..."
Hier unterbrach ihn der Ruf eines Schiffsgehilfen an einenandern, und leitete seine Aufmerksamkeit auf das naheliegende Schiff.„Die Leute im Sklavenschiff haben just ausfindig gemacht, daß ihrSchiff nicht gemacht sei, um unter ein Glas gestellt und vonWeibern und Kindern begafft zu werden," rief der Eine, laut ge-nug, daß der Andere, der im Vormars beschäftigt mar, ihn deut-lich verstehen konnte.
„Ganz recht," war die Antwort, „er sieht, daß wir munter