„Das klingt recht schön, aber Ihr könnt ja schon jetzt dasSchiff nicht mehr regieren, und ehe Ihr noch mit Euren Prahle-reien zu Ende seid, liegt es gefesselt wie ein verurthcilter Dieb.Nicht höher mit den Segeln da, nicht höher damit, Junge!"
„Ja wohl, nicht höher," wiederholte nun auch der Lootsc,welcher jetzt, da die Schwierigkeit, die Windseite zu passiren, mitjeder Sekunde wuchs, iu seinem Entschlüsse zu wanke» anfiug.„Halt' die Segel voll und dicht beim Wind — ich hab's ja immergesagt: voll und dicht beim Wind. — Es kann sein, Kapitän,da der Wind etwas conträr geworden ist, daß wir doch noch aufdie Leeseite müssen: wenn das aber ist, so müssen Sie zngeben,daß wir werden wenden müssen."
Eigentlich war aber erstlich, grade jetzt der Wind, obgleichetwas schwächer als vorher, nichts weniger als conträr, im Gegen-theil um eine Kleinigkeit günstiger geworden, und zweitens war esWildern nie beigekommen zu länguen, daß das Schiff, wenn es dieLeeseite des andern nähme, einige und zwanzig Minuten früherwürde wenden müssen, als in dem Fall, wenn Ihnen der schwierigeVersuch, auf der Ehrenseite zu passiren, gelingen sollte. Allein,je gemeiner eine Seele ist, desto schwerer kommt es ihr au, be-gangene Fehler einzugestehen, daher suchte der überführte Lootsesein nothgedrungenes Nachgeben auf diese Weise zu bemänteln, umdie Meinung, welche die Mannschaft von seinem Scharfsinn habenmochte, nicht zu verringern.
„Aus dem Wind mit dem Schiffe!" schrie Wilder, der nach-gerade anfing, aus dem Ton der Vorstellung in den des Befehlsüberzngehen; „aus dem Winde, Herr, so. lang' es noch geht, oderbeim—" Seine Lippen wurden hier regungslos, denn sein Blickfiel auf das blaffe, sprechende und ängstliche Antlitz Gertrauds, j
„Es wird wohl geschehen müssen, da der Wind einmal ge-schralt hat. Laß fallen vor dem Wind, Junge,... nimm dieRichtung nach dem Spiegel des Schiffes dort vor Anker!...
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