„Je nun, Eva, der Eine ist ein Varonet und der Andere nurein einfacher Gentleman."
Eva Esfingham blieb eine Minute schweigend sitzen, und nurihr kleiner Fuß bewegte sich, obgleich man sie sorgfältig unter-wiesen hatte, es gebühre einer Dame von Bildung, daß selbstdieser schöne Thcil des weiblichen Körpers ruhig und zurückhal-tend sey. GS gab aber auch in Amerika keine zwei Mäd-chen, die bei der Gleichheit der Jahre und geselligen Stellungmehr in ihren Ansichten oder Borurtheilen, wenn man lieberso will, verschiedener gewesen wären, als die beiden Väschen.Grace van Courtlandt, einer der besten Familien ihres Geburts-lands angehörig, hatte unwillkührlich von Kindheit an aus Ro-manen, die sich über die Kolonialsitten auSließcn, und das gemeineVolk wegen seiner Aufdringlichkeit und Unwissenheit scharf Mit-nahmen, eine Vorstellung von erblichem Rang in sich ausgenom-men, dessen Glanz ihre Einbildungskraft noch erhöhen half, weilsie ihn in dem auffallend begünstigenden Lichte der Ferne erschaute.Andererseits brachte Eva Alles mit Thatsächlichem in Verbindung.Sie war früh mit den höchsten Zirkeln Europa'«, ja sogar mitAngehörigen königlicher Häuser in lange, vertrauliche Berührunggekommen und hatte daher den Prunk der Königswürde nicht bloßan Talatagen ober in ihrem auf die Sinne berechneten Nimbusgesehen; denn wenn auch die Beobachtung der Etiquctte ihrenZweck haben mag, läßt sich doch kaum von ihr behaupten, daß sieauf einer vernünftigen Grundlage beruhe. Also wie gesagt, siehatte mit den Großen und Hochgeborenen in innigem Verkehr ge-standen — und dies »och obendrein in so vielen verschiedenen Ländern,daß die Einflüsse der Nation, welche einen großen Theil ihrer An-sichten als Erbstücke auf Amerika übertragen hatte, völlig verwischtworden waren. Eine sorgfältige Beobachtung hatte sie die willkühr-lichcn politischen Auszeichnungen kennen gelehrt, die unter denMenschen selbst einen so geringen Unterschied hervorzubringen ver-