Druckschrift 
5 (1853) Der Lootse : ein Seegemälde
Entstehung
Seite
315
Einzelbild herunterladen
 

315

feierlichem Ernste;nicht doch; vielmehr hört Ihr die Warnungeines alten Mannes, der all' seine Tage da Angebracht hat, >vvkeine Berge die Winde des Himmels abhalten konnten, ans ihneinznstürmen, wcnn's nicht etwa Berge von Schaum und Salz-wasser waren. Ich sag' Euch, Sir, ein heftiger Nordost ist gegenuns im Anzüge, noch ehe die Morgenwache abgelöst ist."

Barnstable kannte die Erfahrung seines alten Schiffsgenossenzu gut, um bei einer solchen Ansicht, wenn sie vollends ans sobedrohliche Weise ausgesprochen worden, nicht einige Unruhe znsuhlen; noch einmal betrachtete er den Horizont, den Himmel undden stillen Ocean, und fuhr dann in ernstem Tone fort:

Dießmal trifft deine Prophezeihnng nicht zn, Meister Coffin,es sieht ja Alles ans wie bei der höchsten Windstille. Das Hoch-gehen der Wogen rührt noch vom letzten Sturme her; der Dunstüber uns ist weiter nichts als der Nachtnebel, und mit deineneigenen Angen kannst du sehen, wie er seewärts treibt; selbst die-ser Landwind ist nur eine Mischung von Land- und Seeluft; erist zwar mit Dunsten und Nebel angcfnllt, treibt aber dabei sotrag wie eine holländische Galliote."

Ja, ja, Sir, das ist allerdings nichts als ein leichter Dunst,"gab Tom zur Antwort;da er jedoch nur vom Ufer kommt, wirder sich auch nicht weit über's Wasser erstrecken. Es ist schwer,die ächten Wettcrzeiche» kennen zn lernen, Kapitän Barnstable,und Keiner wird's darin zn Etwas bringen, als wenn er sonst fastgar nichts Anderes sinnt und denkt. Nur Einer übersieht dieWinde des Himmels, und kann sagen, wann ein Orkan begin-nen und wann er wieder enden soll. Aber dennoch ist der Menschnicht gerade wie ein Wallfisch oder ein Meerschwein, das die Lnftin seine Nüstern einzicht, ohne jemals zn wissen, ob es ein Süd-ost oder Nvrdost ist, was es cinschnnppert. Schaut einmal hiergerade leewärts hinaus, Sir; seht den Hellen Himmelsstreifenhinter dem Nebel hervorschimmern, und nehmt eines alten See-