162
niß ein, welches Eure indianischen Sinne kaum fassen werden," be-gann der Missionär mit großem Ernste wieder. „Ich möchte nichtfür tausend Welten — nicht, wenn ich auch tausend Leben, so wcrth-los, wie das meinige, retten könnte, dem Glauben irgend einesMenschen zu nahe zu treten, dennoch muß ich die Sache erzählen,wie sie sich begab.
„Dieser Sohn des großen Geistes wnrde allerdings von denJuden jener Zeit getödtct, so weit er getödtet werden konnte. Erhatte zwei Naturen, wie überhaupt jeder Mensch Leib und Seele.Seinem Leibe nach war er Mensch, wie wir alle cs sind, seinerSeele nach war er ein Theil des großen Geistes selbst.
„Dicß ist das große Gcheimniß unsrer Religion. Wir könnennicht sagen, wie es geschehen kann, aber wir glauben cs. Wir sehenrings um uns tausend Dinge, welche wir nicht begreifen können,und so ist es auch damit."
Hier benützte Bärenfleisch eine neue Pause, um eine Bemer-kung laut werden zu lassen. Er that dieß mit der Schärfe dessen,der gewöhnt ist, auf Worte und Begebnisse genau zu achten, abermit einer Einfachheit, welche zeigte, daß er von einer gemeinen Hin-neigung zur Zwcifelsucht weit entfernt war.
„Wir können nicht hoffen, daß Alles, was der große Geistthut, uns Indianern völlig klar sei," sagte er. „Wir wisse» sehrwenig, er weiß Alles. Wie sollte es uns cinfallen, Alles wissen zuwollen, was er weiß? Wir denken nicht daran. Dieser Theilder Ueberlieferung macht uns keine Unruhe. Der Indianer kannglauben, ohne zu sehen. Er ist kein Squaw, die hinter jeden Buschsehen will.
„Mein Bruder hat aber zu viel zu seinen Gunsten gesagt.Wenn die Blaßgesichtcr ihren großen Geist tödten, können sie kei-nen Manitou mehr haben und müssen in der Gewalt des bösenGeistes sein. Darum wollen sie unsre Jagdgründe haben. Ichwünsche nicht, sie der untergehendcn Sonne näher kommen zu sehen.