Haares barg, und ihrem Gesichte ein wenig von jener Sanftheitgab, welche zu dem weiblichen Charakter gehört. Auch ihrem An-zuge war einige Aufmerksamkeit gewidmet worden, und Molly warin ihrem Aeußern weniger zurückstoßend, als früher, wo sie ohneBeihilfe die geeignete Kleidung ihres Geschlechtes angelegt hatte.Die Gewohnheit und besonders die Nähe der schönen Rosa hattenauch nicht wenig dazu beigetragen, die Natur des Weibes, wennwir so sagen dürfen, wieder in ihr zu wecken; vor Allem begannsie ihrem Kranken jene Art Thcilnahme zuzuwenden, welche wirAlle mit der Zeit gegen die zu fühlen Pflegen, die unserer besondernSorgfalt anheim gegeben sind. Damit soll nicht gesagt sein, alshabe die Unglückliche je ganz aufgehört, ihren Gatten zu lieben;so seltsam es scheinen mag, nahm sie dennoch stets Thcil an ihmund an seiner Wohlfahrt, obgleich sie sein Thun verabscheute; wirwünschten nur anzudeuten, daß sie sich nicht nur den tiefer gehendenGefühlen des Weibes zuwcndete, sondern auch bald die ganze Theil-nahme einer Krankenwärterin, wie sie sein soll, empfand.
Von dem Augenblicke an, wo Hans Tier seinem Geheimnißentsagte, bis zu dem, von welchem hier die Rede ist, hatte Spikenicht eine Sylbe an seine Gattin gerichtet. Oft überraschte sie ihn,wie er seine Augen starr auf sie heftete, worauf er sie aus Wider-willen , wie sie fürchtete, rasch wegwendete und dann ein leisesStöhnen hören ließ, welches eher eine Folge geistiger als körper-licher Leiden zu sein schien. Kein Wort kam jedoch während dieserganzen Zeit von seinen Lippen.
Die arme Frau müßte mehr Philosophie oder weniger Gefühlbesessen haben, als sie wirklich besaß, wenn ein solches Benehmenvon Seiten ihres Gatten sie nicht tief verletzt hätte. In der That,Molly fühlte sich schmerzlich gekränkt, und mehr als einmal erlagihr Stolz, und sie weinte bitterlich.
Diese Thränen waren jedoch sehr heilsam, sie erleichterten nichtnur ihr bedrängtes Herz, sondern erschlossen auch Gefühle, die lange