„Ich werde ihm nicht sagen, daß ich es vergessen habe, MißRosa, dieß wäre eine Unwahrheit, und es soll keine Täuschung mehrzwischen uns stattfiudcu; aber ich werde ihm sagen, daß ich ihmverzeihe, wie ich hoffe, Gott verzeiht auch mir einst alle meineSünden."
„Es ist gewiß keine kleine Sunde, sein Weib in fremden Lan-den zu verlassen, und dann ein anderes Weib betrügen zu wollen,"bemerkte Rosa ruhig.
„Er ist ein Schurke," murmelte das Weib, „und dennoch,dennoch —"
„Dennoch verzeiht Ihr ihm, Hans, — ja, ich bin überzeugt,Ihr verzeiht ihm. Ihr seid eine zu gute Christin, um ihm nichtverzeihen zu wollen."
„Ach, Miß Rosa, ich bin denn doch ein Weib, und damit istAlles gesagt. Ich glaube wohl, ich muß so thun, wie Ihr rathet,ans dem Grunde, welchen Ihr angebt, aber ich bin sein Weib, under liebte mich einst, obgleich dieß lange vorüber ist. Als ich Ste-phan Spike kennen lernte, hatte ich jene Art Gefühl, von welchemIhr sprecht, und war ein ganz anderes Geschöpf als das, welchesIhr jetzt vor Euch seht. Mit den Jahren und den Leiden ändertsich gar Vieles an und in uns Allen."
Ros« antwortete nicht, sondern blickte die Sprechende längerals eine Minute aufmerksam an. Vieles mußte sich in der Thathier geändert haben, wenn sie je die Macht besessen hatte, einemManne zu gefallen. Ihre Gesichtszüge waren Rosa stets klein undausdruckslos für die eines Mannes vorgckvmmcn, wie ihre Stimmeschwach und gebrochen war; welche Wechsel sich aber auch begebenhaben mochten, Rosa konnte sich kaum denken, daß Hans Tier,selbst in den Tagen der Jugend und des jungfräulichen Erblühens,die gewöhnliche Anziehungskraft seines Geschlechtes besessen ha-ben könne.
Die See hatte ihre Haut gegerbt, der Ausdruck ihres Gesichts