565
seinen Verfolgern abwendete. Der Hochbootsmann und ein andererVertrauter standen bereit, das arme Geschöpf in die See zu werfen,sobald ihr Anführer das Zeichen geben würde. Biddy sah und ver-stand, was man beabsichtigte, und wendete sich ernst und flehend zuihren Mördern.
„Es bedarf hier keiner Gewalt," sagte sie in einem ruhigenTone, aber mit trauervollem Ausdrucke in ihren Zügen. „Ichweiß, daß die Reihe an mir ist, und ich werde Euren Seelen einenTheil dieser großen Sündenlast ersparen. Gott, und sein ewigerSohn und die gesegnete Mutter Jesu werden mir Gnade schenken,wenn es unrecht ist; ich würde aber lieber, ohne von rohen Manncs-händen berührt zu werden, in die See springen, als das Furchtbarenoch einmal sehen, das der Missus geschehen ist. Es ist etwasSchreckliches mit dem Wasser, zuweilen hat man dessen zu wenig,zuweilen zu viel-"
„Schnell, schnell, gutes Weib!" fiel der Hochbootsmann un-geduldig ein. „Ihr könnt nicht in dem Boote bleiben, und jeschneller es geschieht, desto besser ist es für uns Alle."
„Mißgönnt einer armen Sterblichen in dem letzten Augenblickenicht eine halbe Minute Leben," antwortete Biddy. „Ich werdeEuch nicht lange mehr belästigen, und somit kein Wort mehr."
Das arme Wesen stieg nun, ohne daß Jemand sie berührte,auf die Seite des Bootes, und setzte sich, dem Wasser zugekehrt,auf den Dolbord. Sie brachte einen Augenblick damit hin, daßsie ihre Kleider mit weiblichem Zartgefühl ordnete, und blickte dannmit starrem Auge und bleicher Wange in das schäumende Kiel-wasser, welches den raschen Gang des Bootes bezeichnet?. DieHöhlungen der Wellen erschienen ihr minder schrecklich als diegischenden Kämme, und sie wartete, bis das Boot wieder in zweiWellen stürzte.
„Gott vergebe Euch Allen diese That, wie ich sie Euch ver-gebe!" sagte Biddy ernst, beugte sich vor und fiel in die Tiefe.