601
Vererbung des EigenthumS in derselben Linie nichts weniger alsgünstig. Miß Merton, welche, wie Dn eben so gut weißt, MileS —ein Mädchen von treffliche», Verstände ist, Miß Merton also sagt,in England würde ich, als etwas das sich ganz von selbst verstünde,MrS. Bradfort'S sämmtliche Realien geerbt haben."
„Ei, Du —- ein Rechtsgelehrter — ein Advokat des Gewohn-heitsrechts — Du wirst doch nicht erst der Ansicht einer Engländerinbedürfen, um zu wissen, was die englischen Gesetze in einer solchenErbschaftsfrage vorschreiben?"
„O, sie haben in jenem Lande so gut wie in unserem eineverteufelt lange Reihe von Statuten, lind in beiden Ländern wirddas Gewohnheitsrecht nachgerade eine sehr ungewöhnliche Gesetzes-art. Doch um die Sache kurz abzumachen — Mrs. Bradfort hin-terließ ein Testament."
„Und theilte vermuthlich ihr Eigenthum zu gleichen Theilenzwischen Dir und Lucy, zu Miß Merton'S großer Unzufriedenheit."
„Nicht ganz so, Miles — nicht genau so; eine sehr launen-hafte, eigene Frau war Mrs. Bradfort —"
Ich habe schon oft bemerkt, daß, wen» Jemand seinem Ne-benmcnscheu Sand in die Augen gestreut hat, von diesem aberdurchschaut und zurückgestoßen wird, der Jntriguant nur gar zu leichtgeneigt ist, den früher Hintergangenen launenhaft zu nennen,während er in der That nichts weiter als getäuscht war. Daich übrigens nichts erwiederte und Ruprecht, so viel er nur konnte,weiter räsvnniren ließ, so fuhr dieser nach einer Pause fort:
„Aber ihr Ende war sehr bewundernswürdig und im höchstenGrade erbaulich. Du mußt wissen, sie schrieb ein Testament, undin diesem vermachte sie Alles, bis auf die Stadt»vhnung und ihreLandhäuser — meiner Schwester."
Ich war wie vom Donner getroffen! So waren also allemeine Hoffnungen in die Winde zerstreut! Nach langer Pause nahmich das Gespräch wieder auf.