499
nachdenklich, sondern verjagte auch jede Spur eines Lächelns vondem sonst so helleren Gesichte ihrer Freundin. Die Unterhaltunggerieth ins Stocken und bald daraus kehrten wir zusammen insHaus zurück.
Ich war an diesem Morgen vollauf beschäftigt, denn ich mußtemit Mr. Hardinge das ganze Gut bereiten und den Bericht überseine vormundschaftliche Verwaltung mit anhören. Mit den Haupt-ergebnissen war ich bereits bekannt oder hatte dieselben vielmehr inder „Dämmerung" niedergelcgt; aber auch die Einzelheiten mußteich alle mit der pünktlichsten Genauigkeit durchgehen.
Ein einfacheres Geschöpf als dieser Mr. Hardinge war aufdem ganzen Erdenrunde nicht zu finden. Daß meine Angelegen-heiten so günstig ausfielen, verdankte ich einzig und allein derdamaligen glücklichen Lage des Landes, dem Systeme, welches meinVater bei seinen Lebzeiten angenommen und den guten Eigenschaf-ten der Leute, welche er gewählt halte, denn von diesen blieb einjeder auf dem Posten, welchen er in dem traurigen Augenblick jenesUnglücks bei der Mühle bekleidet hatte. Hätte mein VermögenbloS von der Umsicht und Verwaltung des höchst vortrefflichen Geist-lichen abgehangen — alles wäre bald in schöner Verwirrung gewesen.
„Ich glaube keineswegs an Wunder, mein lieber MileS,"bemerkte mein Vormund mit ergötzlicher Selbstgefälligkeit, „denkeaber doch, es muß eine Aenderung mit mir vorgegangen seyn, daßich den Anforderungen einer Stellung genügte, welche so plötzlich dieInteressen zweier Waisen meiner Sorge und Führung anvcrtraute.Gott seyDank! es geht Alles gut! Deine Angelegenheiten wie diemeiner theuern Grace. Es ist wunderbar, mein Junge, wie einMann von meinen Gewohnheiten z. B. solche Waizeneinkäufe besor-gen konnte — ich, der ich nie auch nur ein Büschel gekauft hatte,bis die ganze Verantwortlichkeit mit Deiner Mühle auf meinenSchultern ruhte. Ich rechne es aber nicht mir zur Ehre —o nein,nicht mir darf ich das «»rechnen!"