schieden und voll Anziehungskraft erschien — als vielmehr die MischungweiblicherZartheit und blühender Gesundheit ;ihr Gang, so natürlich unddoch so voll Leichtigkeit und Grazie; ihr Lachen, so fröhlich und doch soruhig, eben wie es ihrem Geschlechts ziemte — ihr ganzes Seyn undVerhalten, welches Glück und überströmende Gesundheit, den vollenZauber eines Wesens, das sich völlig gehen läßt und alle die Feinheitausdrückte, die ebenso sehr Gabe des natürlichen Gefühls als Fruchtder Kunst und Geselligkeit ist. Ich konnte nicht hören was ihrBegleiter sprach; als sie aber näher kamen, hielt ich sie für einanerkanntes Liebespaar, welchen Glück, Freunde jund Umständegleichermaßen lächelten. Ein Seitenblick sagte mir, daß sogar Nebvon dem Wesen der Vorübergehenden betroffen war und aufgehörthatte, seinen schmutzigen Huldinnen nachzusehen — um diese anzustarren.
Ich vermochte keinen Blick von dem Antlitze der lieblichen Feezu verwenden, deren dunkelblaue Augen ich mir erst, als ich ganznahe war, genauer betrachten konnte, denn jetzt richteten stc sichnatürlich auf die Person, welche sich ihr näherte. Während wir an-einander vorüber gingen, schauten wir uns ein paar Sekunden langaufmerksam an und der Zauber, welchen gewisse Thiere besitzensollen, kann nicht mächtiger seyn als dieser wechselweise Blick war.
Auf diese Weise waren wir an einander vorübcrgekommen undich befand mich noch in einer Art räthselhaster Verzückung, als ichplötzlich mit einer Stimme, mit einem Ton, der jede Nerve in mirerbeben machte, rufen hörte:
„MileS!"
Ich drehe mich um, sehe sie noch einmal an — nein, längerkonnte ich mich nicht täuschen. Lucy Hardinge stand vor mir, zit-ternd, ungewiß, das Gesicht bald todtenbleich, bald mit Scharlach-röthe überzogen, die Hände gefaltet, Zweifel, Aengstlichkeit undSpannung in ihren Blicken, welche Hoffnung und Furcht auS-sprachen —mit einem Wort, das vollkommenste Bild acht weiblichen