184
hatten. Jeder Moment weiter vermehrte noch die Spannung, dennwar überhaupt ein Schiff in der Nähe, so mußten wir ihm mitjedem Augenblicke näher und näher kommen.
So verstrichen volle zwanzig Minuten und immer noch war keinSchiff zu sehen. Marble blieb ruhig und zuversichtlich, aber derKapitän wie der Nntersteucrmann lächelten, und die Leute singen andie Köpfe zu schütteln und den Taback voll Ungeduld im Mnndehin und her zu Wersen. Während des BorrückenS lufste unserSchiff allmählig, bis es wieder seinen alten Kurs einschlug, nämlichdicht auf dem Winde segelte. Diese Aenderung war leicht anSzu-führen, da die Brassen noch nicht berührt worden waren, eineVorsicht, welche man ausdrücklich dieses Vortheils halber ange-wendet hatte.
Als wir uns abermals dicht im Winde sahen, wurde die Sacheaufgegeben in der Meinung, der Steuermann habe sich getäuscht.Ich sah dem Kapitän am Gesichte an, daß er im Begriffe stand,den Befehl zum Sichern der Kanonen zu geben — da richtete ichmeinen Blick noch einmal nach vorn und sah nur hundert Schrittevon uns ein Schiff — ein wirkliches Schiff! Ich drehte mich raschum und streckte beide Arme in die Höhe: zum Glück bemerkte derKapitän meine Bewegung und stand im nächsten Augenblicke aufdem Vorkastell.
Der Fremde war jetzt ohne alle Schwierigkeit in seiner Dunst-hülle zu erkennen, in der er sich selbst neblig und geheimnißvollanSnahm: mit seinem großen Oberbramsegel enggehalt zog er voruns her mit all' der Zuversicht, welche die Einsamkeit des Oceansverleiht. Sein Rumpf war zwar kaum oder nur so schwach zuunterscheiden, daß man bloS eine dunkle Masse vor sich sah: vonden Marsen aufwärts stellte sich uns dagegen Alles so deutlich vorAugen, baß an eine Täuschung nicht mehr zu denken war. Wirhatten dem Franzmann die Kreuzoberbramstenge abgeschoffen und