176
Wirrung seine Segel beschlagen — ein untrüglicher Beweis vonKaltblütigkeit und MannSzucht, besonders am Vorabende einerSchlacht, und ein Merkmal, welches der wachsame Seemann beisolchen Gelegenheiten als ein unfehlbares Vorzeichen von der Artdes Kampfes ansieht, der ihm bevorsteht. Demzufolge wurdeauch bei uns auf dem Quarterdecke angenommen, daß wir wahr-scheinlich einen heißen Tag bekommen würden. Gleichwohl warenwir schon zu weit gegangen, um uns ohne einen eigentlichen Versuchzurückzuzieheu, und so kam auch an uns die Reihe, die Segel zuverkürzen und das Schiff für de» Kampf in Bereitschaft zu setzen.Marble war ein königlicher Bursche, sobald es zu ernsten Ereig-nissen zu kommen drohte, und nie hatte ich ihn seine Segel rascherund kaltblütiger cinrcffen sehen, als eben am heutigen Tage — nochhatte» wir kaum seit zehn Minuten angcfangen, als auch schonAlles beendigt war.
Es mochte wohl eine Seltenheit seyn, zwei bewaffnete Kauf-fahrer so ruhig und so wissenschaftlich zu Werke gehen zu sehen, wiedies bei der Krisis und der „Dame von Nantes" der Fall war,denn so hieß unser Gegner, wie wir später erfuhren. Keiner vonbeieen Theilen hatte eS darauf abgesehen, durch das Manövrirengroße Vortheile zu erlangen; wir gingen vielmehr geraden WegSauf „die Lady" los, wie unsere Leute den Franzosen später tauften— und beide Fahrzeuge donnerten fast in demselben Augenblick mitihren Breitseiten gegen einander.
Ich stand auf dem Vorkastell und hatte die Vorschooten, sowie überhaupt die Brassen und das Tackelwcrk zu beaufsichtigen,wobei ich in unbeschäftigten Augenblicken meine Flinte gebrauchte.Gleich im Anfang gingen meine beiden Klüverschotenblöcke zumTeufel, indem sie mir noch einen tüchtigen Schlag von vorne ver-setzten: das war aber erst der Beginn der Verwirrung, denn wäh-rend der dritthalb Stunden, welche die Krisis und In Lame 6«Kanres einander beschossen, hatte ich mit Reefen, Knoten, Splissen