130
und fragte sie, was fie von unsrer Lage hielten. Sie waren dieganze Zeit über auffallend still gewesen, hatten aber gleich Riesendrauf loS gerudert; beide waren noch jung und wie ich später er-fuhr, verheirathet; jeder besaß ein Weib, das in diesem schrecken-vollen Augenblick am Rande des VorgebirgS der Rückkehr desBoots entgegenharrte. Als Kapitän RobbinS seine Frage an fiestellte, drehte ich mich um —ich saß nämlich zwischen den Beiden —und sah, daß der hinter mir, der ältere von ihnen, die Augen vollThränen hatte.
Die Erschütterung, die ich bei diesem Anblicke empfand, läßtsich nicht beschreiben. Da saß ein Mann, an Gefahren und Müh-seligkeiten gewöhnt — in demselben Augenblick, da er die männlichsten,verzweifeltsten Anstrengungen zu seiner und aller Andern Rettungmachte, von der Gesahr seiner Lage so sehr ergriffen, daß sein Gefühlsich auf eine Weise Luft machte, welche immer einen peinlichenAnblick gewährt, wenn des Mannes Kummer, so wie hier, in Thrä-uen auSbricht. Ihm, dem Gatten, mochte die Phantasie ohneZweifel die Angst seines WeibeS i» diesem Augenblicke, so wie dielangen Tage des Jammers vormalen, welche vielleicht noch folgenkonnten. Ich glaube nicht, daß er, ohne Beziehung auf seine Gattin,nur an sich selber dachte, denn einen schöneren, männlicheren, ent«schloffeneren Burschen hat es niemals gegeben, wie sich dies späterim vollsten Maaße erwies.
Mir schien, als ob die beiden Bootsleute sich mit einer Artverzweifelten Widerwillens gegen ein Aufgeben der Hoffnung sträub-ten: daß sie das Land doch noch erreichen könnten. Wir bildetenfür ein Boot eine starke Bemannung und hatten ein leichtes, abertreffliches Fahrzeug — und doch bis jetzt Alles umsonst! Gegen Mitter-nacht, nachdem wir drei Stunden lang wie verzweifelt gerudert hatten,war auch meine Kraft dahin und ich mußte das Ruder abgcben.Kapitän RobbinS gestand, daß sein Zustand nicht viel besser sey,.und da die Bootsleute unmöglich mehr thun konnten als das Boot